Geschichte

„Item mester Jorgen pepper is eyn borger geworden, anno 75″

Mit dieser Eintragung im Bürgerbuch der Stadt Steinfurt vom 17. Januar 1575 beginnt die Geschichte der Elefanten-Apotheke in Steinfurt. Apotheker Jorgen Pepper gründete die Apotheke 1575. Gegründet wurde sie im Hause und auf Veranlassung des gräflichen Leibarztes Arnold Holtermann, der zur besseren Versorgung mit Medikamenten einen Apotheker in seiner Nähe haben wollte. Der Arzt Holtermann war zwar einer der angesehensten Bürger in Steinfurt und benachbarten Grafschaften, verdiente sich aber als „Chirurg, Zahnbrecher, Barbier und Küchenmeister am Hof“. Berichtet ist, dass bedingt durch die Hohe Schule in Steinfurt (erste Universität in Westfalen) immer wieder schlagende Studenten in Steinfurt ihr Unwesen trieben. Aus einer Notiz aus dem Jahre 1620 geht hervor, dass bei einer Studentenrauferei vor der Apotheke der herbeieilende Apotheker mit einem Knüppel geschlagen, und der Arzt mit einem Stein verletzt wurde. „Die Studenten wurden mit Karzer bestraft“ (=in der Hohen Schule in Haft genommen). Beim Apotheker Jorgen Pepper wurde dann der Sohn des Arztes Arnold Holtermann, Heinrich Holtermann ebenfalls zum Apotheker ausgebildet und übernahm die Apotheke. Heinrich Holtermann war als Apotheker sehr angesehen. Er wurde mehrfach zum Bürgermeister bestellt.

1653 fielen kaiserliche Soldaten in Steinfurt ein, verwüsteten und plünderten die Stadt und brachten zudem noch die Pest mit, an der Apotheker Heinrich Holtermann 1635 starb. Die Apotheke wurde dann von seinem Sohn Arnold Holtermann (nach seinem Großvater benannt) weitergeführt, nach seinem Tode von Friedrich Kloppenburg, der aber nach nur vier Jahren Apothekenleitung 1679 verstarb.

1704 folgte Johann Adam Willius und schon 1707 Dr. med. F.H. Wetter. Die Apotheke war durch die vielen Wechsel in schlechtem Zustand, hatte seit 1608 auch eine starke, priviligierte Konkurrenz bekommen.

1714. Die Apotheke nannte sich Einhorn-Apotheke. Sie wurde von Johann Heinrich Dankelmann geführt, der in Holland ausgebildet worden war, und sich gegen die Bestrebungen seines Konkurrenten, der die Einhorn-Apotheke schließen lassen wollte, erfolgreich wehrte.
Dankelmann wurde ein angesehener Bürger und überzeugte besonders durch seine Verbindungen nach Amsterdam und die daher bezogenen außergewöhnlich guten Arzneipflanzen, Gewürze und Arzneidrogen.

Ab 1757 leitete Conrad Gempt die Apotheke. Er brachte sie zu neuem Glanz und überflügelte jetzt die konkurrierende Schwanen-Apotheke, die bedeutungslos wurde. Conrad Gempt starb am 15. Juni 1800. Aus dieser Blütezeit der Apotheke stammen vermutlich die vielen, noch erhaltenen schönen Standgefäße und das berühmte Portal der Elefanten-Apotheke, das zu den schönsten Apothekentoren überhaupt gerechnet wird und in vielen Büchern und Reiseführern abgebildet ist. Conrad Gempt stand sehr in der Gunst des Grafen Karl. Er erhielt den Titel „Hofapotheker“. Der Sohn des Grafen Karl, Ludwig, wurde bei seiner Hochzeit mit der Herzogin Juliane von Schleswig-Holstein-Glücksburg zum Ritter des dänischen Elephanten-Ordens. Zu diesem Anlass wurde die Apotheke auf Veranlassung und zu Ehren des Grafen Karl umbenannt von „Gemptsche-Apotheke“ in „Apotheke zum Elephanten“.

1814 übernahm der Sohn des Conrad Gempt, Dr. Johann Heinrich Gempt die Apotheke. Von ihm ist bekannt, dass er sich in erster Linie um die Pockenschutzimpfung verdient gemacht hat.1852. Sein Sohn, ebenfalls namens Johann Heinrich Gempt, führte die Apotheke ab dem 1. Januar 1852, nachdem er seit 1845 als Verwalter bestellt war. Er verkaufte die Apotheke schon 1852 an den Apotheker Gottlieb Schröter, der 1867 verstarb. Seine Witwe ließ die Apotheke bis 1886 von zahllosen Apothekern verwalten, bis ihr Sohn Dr. August Schröter dann seine Ausbildung beendete und die Apotheke fortführte.
1904. Am 9. August des Jahres verkaufte Dr. August Schröter die Apotheke an Apotheker Karl Laureck. Karl Laureck baute die Apotheke mehrfach um und schuf ein blühendes Unternehmen, das Burgsteinfurt und viele umliegende Städte mit Medikamenten versorgte.

1945. Als 74-jähriger musste Karl Laureck dann erleben, wie beim Brandbombenangriff am 22. März 1945 auf Steinfurt die Apotheke durch eine Phosporbombe verbrannte. In der ca. einer Stunde bis zur totalen Zerstörung durch die Flammen, versuchte Karl Laureck aus der Apotheke unter Einsatz seines Lebens noch etwas zu sichern. Glücklicherweise konnte er dabei die historische Apothekentür und die alten Standgefäße retten. Außer wenigen anderen Kleinigkeiten war von seinem Lebenswerk, der prachtvollen Apotheke nichts mehr geblieben. Nur acht Tage später marschierten die Engländer ein und der Krieg war für Burgsteinfurt vorüber1947. Trotz seines Alters plante Karl Laureck sofort den Wiederaufbau, um die Bevölkerung der Stadt mit Arzneimitteln zu versorgen. Staatliche Hilfe erhielt er nicht, vielmehr belastete ihn nun noch das Finanzamt mit Nachforderungen aus den vergangenen Jahren. Dann versagten Wiederaufbau- und Sozialministerium ihm die Baustoffe, so dass er bis zu seinem Tode 1947 lediglich aufräumen und abreißen konnte. Bis dahin betrieb Karl Laureck eine Notapotheke auf der Wasserstraße in den Räumen einer ehemaligen Gaststätte. Diese wurde nun von seiner Tochter Hildegard Rose (geb. Laureck) und seinem Schwiegersohn Paul Gustav Rose, beide inzwischen Apotheker, fortgeführt.

1948 wurde der Grundstein an alter Stelle gelegt und die Elefanten-Apotheke mit dem alten Tor wieder aufgebaut.

1967 übernahm der 2. Sohn der Eheleute, Apotheker Walter Rose die Apotheke zunächst als Pächter, dann als Besitzer ab 1972. Er reduzierte zunächst die inzwischen immensen Kosten, baute dann die Apotheke mehrfach um und vergrößerte sie durch ein Ärztehaus neben der Apotheke.

1994 In den Jahren von 1950 bis 1997 stieg die Zahl der Apotheken von 1 auf 6. Walter Rose modernisierte die Apotheke fortwährend und baute sie drei Mal komplett um. Er schuf eine internistische Praxis über der Apotheke und baute 1979 ein großes Ärtzehaus neben der Apotheke, in dem aktuell 3 Praxen tätig sind. Walter Rose engagierte sich als Mitglied der Apothekerkammerversammlung und Vertreter der Apotheker im Kreis Steinfurt und hatte zahllose Ehrenämter inne. Er war auch viele Jahre im aufsichtsführenden Ausschuss des Versorgungswerkes der Apothekerkammer Westf.-Lippe tätig. Die historische Tür wurde komplett restauriert und zur Restauration des Jahres 1996 gekürt. Walter Rose lebt heute als Pensionär in Steinfurt.

1995 übergab Walter Rose zum 1. Oktober die Elefanten-Apotheke an seinen Sohn, Apotheker Olaf Rose. Olaf Rose leitet die Apotheke bis zum heutigen Tage. Er trat nach seinem Studium an der Universität Münster ein Praktikumsprojekt bei Bayer Yakuhin in Japan an und entwickelte dort patentierte Arzneiformen zur Behandlung mit Problemarzneistoffen bei Parkinson. Dort lernte er auch seine spätere Frau Makiko kennen. Anschließend sammelte er Erfahrung für die öffentliche Apotheke bei zahlreichen Chef- und Urlaubsvertretungen in Apotheken im Münsterland und Ruhrgebiet. In den Jahren ab 1995 baute die Elefanten-Apotheke unter der Leitung von Olaf Rose ein Sterillabor zur Herstellung spezieller Infusionslösungen und Infusionspumpen für Patienten mit Mukoviszidose/CF auf. Seitdem wurden CF-Patienten in ganz Westfalen mit hochwirksamen Antibiotikalösungen in speziellen Pumpen beliefert.

1999/2000 wurde die gesamte Apotheke umgebaut, erweitert und modernisiert. Ab dem 1.1.2004 wurde eine Versandapotheke eröffnet und als eine der ersten Versandapotheken Deutschlands betrieben. Hier arbeitet die Elefanten-Apotheke zunächst als spezialisierter Kooperationspartner im Bereich Parkinson mit der deutschen Parkinson Vereinigung bundesweit zusammen (www.parkinsonapotheke.de). Durch spezialisiertes Fachwissen ist die Elefanten-Apotheke seitdem vermutlich diejenige Apotheke in Deutschland, die mit Abstand die meisten Parkinson Patienten versorgt (über 2000 Parkinson-Betroffene in ganz Deutschland). Andere bundesweite Kooperationen mit großen Selbsthilfegruppen wie der deutschen Schmerzliga, dem Bund für Osteoporose, der deutschen Polio Allianz, dem Dachverand der Osteoporose Selbsthilfegruppen, der Selbsthilfegruppe für Schlaganfallbetroffene u.v.a. folgten. Gleichzeitig wurde ein reiner Internetshop unter www.elefanten-apotheke.biz betrieben. Die Tätigkeit als große Versandapotheke wurde 2015 beendet.

Im Oktober 2004 folgte die Übernahme der Coerde-Apotheke in Münster-Coerde von der seit langem befreundeten Apothekerin Helga Schlochow. 2005 wurde die Elefanten-Apotheke erweitert und erhielt zusätzliche 100 m² Platz. Es wird jetzt auch eine Kosmetikbehandlung in separaten Räumen durch Kosmetikerinnen angeboten. Zusätzlich zur klassischen Kosmetikbehandlung haben sich unsere Kosmetikerinnen auf die Behandlung von Problemhaut spezialisiert und führen die dauerhafte Haarentfernung per gepulstem Licht durch.

Ab 2006 (-2015)  war die Elefanten-Apotheke Partner Versandapotheke beim „Club-Bertelsmann“, und somit Vorteilsapotheke für die rund 3,5 Millionen Clubmitglieder. Aufgrund der großen Nachfrage wird die Versandapotheke vergrößert, ein weiterer Callcenter auf 110 m² wird im Wippert 8 in direkter Nachbarschaft zur Apotheke eingerichtet. Der bundesweite Versandhandel mit Medikamenten wurde 2015 beendet. Im Dezember 2006 wurde die Kosmetikabteilung der Elefanten-Apotheke umgebaut zum „Vichy/Roche Posay Flagship Store“.

Olaf Rose begann im August 2006 mit einem Promotionsstudiengang über 9 Semester in klinischer Pharmakologie an der University of Florida in Gainesville, USA. Dort war er auch in der zugehörigen Uniklinik auf Station tätig, speziell in der inneren Medizin, Leber/Pankreas und Transplantationsabteilung.

2007 stand die Renovierung des denkmalgeschützeten alten Apothekenspeichers an. Hier kam es nach jahrzehntelangen Verhandlungen mit der Stadt Steinfurt und der nachbarschaftlichen Tiefgarage Ende 2006 endlich zur Einigung. Schon in der nächsten Woche rückten die Bagger an und die Renovierung begann. Neben der fachmännischen Aufarbeitung des Speichers wurde auch ein Ärztehaus angebaut. Die Praxiseröffnung fand im August 2007 statt. Die gesamten Baumassnahmen wurden ohne Denkmalförderung durchgeführt und rein privat finanziert.

2008 wurde ein zweiter Kosmetikraum in der Elefanten-Apotheke gebaut. Hier finden seitdem weitere Kosmetikanwendungen statt. Am 1. Juni 2008 wurde eine weitere Apotheke im Einkaufszentrum Baumgarten in Steinfurt eröffnet, die Pharmaxi-Apotheke (www.pharmaxi.de) . Am 8. August 2009 wurde Olaf Rose in an der University of Florida, USA die Doktorwürde zum „Doctor of Pharmacy“ mit der Auszeichnung „magna cum laude“ verliehen. Er wurde ferner mit dem „professional leadership award“ ausgezeichnet.

2010  wurde der Umbau der Coerde-Apotheke begonnen. Im Januar 2011 wurde ein Komissionierroboter eingebaut, der seitdem die Medikamente nicht nur auf konstant 20 Grad temperiert sondern auch das Schubladenziehen übernimmt.
2011 Olaf Rose gewann mit einem Team aus insgesamt 4 Wissenschaftlern den Zuschlag für eine klinische Studie im wissenschaftlichen Wettbewerb ‚Exzellenzcluster Nordrhein- Westfalen, IuK &Gender, Best Practice Gesundheit.nrw‘. Die WestGem-Studie ist geboren.
2012 Umbau der gesamten Coerde-Apotheke von Grund auf neu. Autorenschaft von Olaf Rose für die deutsche Apotheker Zeitung mit den Serien ‚patientenorientierte Pharmazie‘ und später ‚Pharmakotherapie‘.
2013 Beginn des Lehrbuchprojekts Pharmakotherapie mit Olaf Rose als Herausgeber und Autor zusammen mit Fr. Prof. Kristina Friedland. Berufung in den Prüfungsausschuß Geriatrische Pharmazie.
2016 Veröffentlichung der Studienergebnisse der WestGem-Studie im deutschen Ärzteblatt und in PLoS one. Lehrauftrag an der University of Florida, USA, 2017 Promotion an der Uni Bonn zum Dr. rer. nat..